Gedenkstätte - Bergen Belsen

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Gedenkstätte - Bergen Belsen

Die Konzeption für die Neugestaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen sieht vor, die unglaubliche Anzahl von Menschen, deren Schicksal sich mit der Geschichte des Lagers verbindet, zu thematisieren und in Überlagerung zum Gelände, die Ausdehnung des Gesamtkomplexes sichtbar zu machen. Ausgangspunkt hierfür ist die Kappung des gesamten Baumbestandes innerhalb der Lagergrenzen in Abhängigkeit zu einer nivellierten Höhe von 1,60 Metern über dem durchschnittlichen Geländeniveau. Im Rahmen dieser Nivellierung werden Höhenunterschiede des Geländes ausgeglichen, um einen exakten neuen Horizont für das Gelände zudefinieren.

 

 

 

 

Dieser `Horizont´ bildet in der Bedeutung des Wortes einen`Gesichtkreis des Gedenkens´ für das Geschehene und erzeugt einen starken Widerstand zur Ästhetisierung des Geländes als Friedhof in idyllischer Heidelandschaft und zur anhaltenden Geschichte des Verdrängens und Vergessens nach 1945. Die individuelle Auseinandersetzung des Besuchers mit dem Gelände steht durch die ungewöhnliche Sicht auf Tausende gekappter Baumstämme in ständiger Dialektik zur Gesamtdimension menschlicher Schicksale an diesem Ort. Die Masse an Schnittholz wird als Skulptur auf dem Lagergelände verwendet. Als Ort für diese Skulptur aus geschichteten Hölzern schlagen wir den ehemaligen Exerzierplatz vor, der in den Erzählungen der Überlebenden oftmals von besonders leidvoller Erinnerung geprägt ist.

 

 

 

Überlagert wird der Gedanke der Horizontbildung mit der Sichtbar- machung der Lagergrenzen und Lagerwege. Eine `Spur´ aus massiven gusseisernen Blöcken zeichnet die räumliche Zonierung der historischen Grenzen des Geländes nach und gibt dem Besucher Die Kartographie des Lagers überlagert das bestehende Wegenetz für den Besucher und zeichnet sich wie eine Spur verbrannter Erde auf dem Gelände ab. In der Dialektik zu Horizont und Spur werden alle Elemente des Gedenkens aus der Nachkriegsgestaltung in einen neuen Kontext eingebunden und in Beziehung zu diesem gesetzt. Die Gesamtkonzeption erlaubt es somit den Ort der Grausamkeit und Zerstörung im Gedenken an die Vielzahl der Opfer in seiner Vielschichtigkeit ablesbar zu machen.

 

 

Konzeption bauliche Erweiterung Das Gebäude für das neue Dokumentations- und Informationszentrum wird an der südöstlichen Grenze des Lagers positioniert. Die definierte Horizonthöhe des Geländes wird in die Dachfläche eines gleichschenkligen Dreiecks überführt. Das Gebäude zoniert sich unter dieser Dachfläche eingeschossig in einer Absenkung gegenüber der Geländefläche, so dass es vom Lager her nicht in Erscheinung tritt. An den beiden freien Gebäudeseiten böscht sich das Gelände zum Waldrand hin an.

 

 

Realisierungswettbewerb:2002
Aufgabe:
Neugestaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen
Auslober:
Land Niedersachsen, staatliches Baumanagement Celle
Standort:
20 km nordwestlich von Celle
Fotos/Animationen:
netzwerkarchitekten
Künstler:
Ariel Auslender, Darmstadt
Landschaftsarchitekt:
Michael Palm, Weinheim