U-Bahn Station - Peking
Im Rahmen der Baumaßnahmen für die olympischen Spiele hatte die Stadt Peking im Jahr 2002/03 einen Architekturwettbewerb für die Gestaltung der oberirdischen U-Bahn Stationen der neuen Linie 5 ausgelobt. Die Linie führt vom Stadtzentrum entlang des Olympiageländes in Richtung Norden. Das Büro netzwerkarchitekten nahm zusammen mit dem Ingenieurbüro VCE/ JAAKKO PÖYRY INFRA an diesem Wettbewerb teil und gewann den 1. Preis für die Station Da-Yang-Fang.


Bereits kurze Zeit später tauchte der Wettbewerbsbeitrag ohne Nennung des Verfassers im Internet in englischer und chinesischer Sprache auf offiziellen Webseiten auf, welche die Baumaßnahmen rund um die olympischen Spiele beschreiben.


Gemeinsam mit VCE/ JAAKKO PÖYRY INFRA versuchten die netzwerkarchitekten in den darauf folgenden Monaten eine vertragliche Vereinbarung über den weiteren Planungsprozess mit dem Inge-nieurbüro „Beijing Municipal Engineering Institute“, das für die Planungsleistungen im Rahmen der Herstellung der U-Bahnlinie beauftragt war, zu erwirken. Im Laufe der Verhandlungen wurde ihnen von dem Verhandlungspartner mitgeteilt, dass ihr Entwurf bereits in die offizielle Entwurfsplanung übernommen worden war. Die Verhandlungen über eine Kooperation scheiterten jedoch und ein direkter Kontakt zu dem Auftraggeber kam nie zu Stande.



Da auch die Zahlung des in der Auslobung angekündigten Preisgeldes ausblieb, ließen netzwerkarchitekten über eine international tätige Anwaltskanzlei die Möglichkeit rechtlicher Schritte prüfen und suchten Rat bei der Internationalen Handelskammer sowie beim Auswärtigen Amt. Die Bemühungen blieben ohne Erfolg. Mittlerweile zeigen zahlreiche Fotografien und Filme im Internet die bereits seit 2007 fertig gestellte und in Betrieb genommene Station. Der Entwurf wurde in der Außenkontur und Geometrie übernommen und ohne Beteiligung der Architekten an der weiteren Planung, ohne Wahrung der Urheberrechte und gänzlich ohne Honorierung umgesetzt.

Eine vertiefende Bearbeitung des Entwurfes, die Optimierung der Konstruktion und eine notwendige Detaillierung und Materialisierung im Sinne des Entwurfsgedanken ist ausgeblieben. Erschreckend ist, wie der Entwurfsgedanke im Innenausbau in den Teilen interpretiert und übertragen wurde, welche die Wettbewerbsplanung offen ließ oder nur abstrakt bearbeitete. Daher distanzieren sich die netzwerkarchitekten von der Planungskultur, dem Ergebnis der Umsetzung und seiner Detaillierung. Die räumliche Figur der gebauten Station wirkt entsprechend ihres Entwurfsansatzes allerdings nach wie vor spannend.

Verfahrensart: eingeladener Wettbewerb 2002/03, 1. Preis
Fertigstellung: vermutlich 09/2007
Aufgabe: Gestaltung der oberirdischen U-Bahn Stationen der neugebauten Linie 5 in Peking
Auslober: Beijing Municipal Engineering Institute, BMEI
Standort: Peking, DaYangFang (Beiyuan North Station)
Architektur: netzwerkarchitekten PartG, Darmstadt mit JAAKKO PÖYRY INFRA
Animationen: netzwerkarchitekten
Mitarbeiter: Robert Reininger
